Diagnostik- & Forschungsinstitut für Hygiene, Mikrobiologie und Umweltmedizin

Herzlich willkommen auf der Internetseite des Konsiliarlabors für Bordetellen des Robert Koch-Instituts (RKI).

Für den Ausbau infektionsepidemiologischer Netzwerke und zur Weiterentwicklung von Präventions- und Bekämpfungsstrategien bei Infektionskrankheiten sind für das RKI zusätzliche Fachexpertise und labordiagnostische Erfahrung erforderlich, die durch Nationale Referenzzentren und Konsiliarlabore erbracht werden.

Das Konsiliarlabor für Bordetellen wurde in Abstimmung mit dem Robert Koch-Institut vom Deutschen Bundesministerium für Gesundheit (BMG) berufen.

 

Keuchhusten und Bordetella

Bordetella

Krankheit

Keuchhusten ist eine hochkontagiöse Infektion des Respirationstraktes, die durch das Gram–negative, strikt humanpathogene Bakterium Bordetella pertussis hervorgerufen wird. Die Erkrankung wird über Tröpfchen durch Kontakt mit infizierten Personen übertragen. Nach anfänglichen erkältungsähnlichen Symptomen kommt es zu den charakteristischen Hustenanfällen, die über mehrere Wochen anhalten können und dann langsam abklingen. Bei kleinen Kindern sind Pneumonien, Krampfanfälle und Enzephalopathien gefürchtete Komplikationen. Infektionen können in jedem Alter vorkommen, wobei insbesondere Säuglinge und Kleinkinder ein höheres Risiko für einen schweren, potentiell tödlichen, Krankheitsverlauf haben.

In den letzten Jahren sind vermehrt Infektionen mit B. pertussis sowohl bei nicht geimpften als auch bei geimpften Personen beobachtet worden. In Abhängigkeit des Immunstatus kann der klinische Verlauf insbesondere bei Jugendlichen und Erwachsenen sehr unterschiedlich und nicht charakteristisch sein. Dies macht eine Labordiagnose ganz besonders wichtig, um durch eine schnell Antibiotikatherapie Übertragungen zu vermeiden. Man muss davon ausgehen, dass in Europa, aber auch weltweit, insbesondere in ressourcenarmen Ländern, Keuchhusten unterdiagnostiziert ist.

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Erreger

Neben dem klassischen Keuchhustenerreger B. pertussis kann auch die nicht streng humanpathogene Spezies B. parapertussis ein keuchhustenähnliches Krankheitsbild beim Menschen hervorrufen. Auch B. bronchiseptica kann, wenn auch seltener, zu Infektionen des Respirationstraktes beim Menschen führen. Sowohl B. parapertussis als auch B. bronchiseptica haben darüber hinaus Bedeutung in der Veterinärmedizin. Die humanmedizinische Bedeutung weiterer Spezies der Gattung Bordetella wie z.B. B. holmesii und der primär geflügelpathogenen Spezies wie B. hinzii und B. avium ist epidemiologisch noch relativ unklar.

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Impfung

Die Impfung gegen B. pertussis-Infektionen ist die wichtigste Präventivmaßnahme. Neben der möglichst frühzeitigen Grundimmunisierung von Säuglingen sind Auffrischimpfungen im Jugend- und Erwachsenenalter wichtig, um eine Immunität aufrecht zu erhalten.

Leitung

Univ.-Prof. Dr.
Ivo Steinmetz 
T: +43 316 385 73700

Kontakt

Bitte nehmen Sie vor der Einsendung von Patient*innenproben und Kulturisolaten mit uns Kontakt auf. 
T: +43 316 385 73701

Aufgaben des Konsiliarlabors

  • Beratung zu Fragen der mikrobiologischen Diagnostik und Erregertypisierung
  • Weiter- und Neuentwicklung diagnostischer Verfahren (insbesondere Forschungsarbeiten zur molekularen Typisierung von Bordetella spp. und der Antikörperantwort bei Erkrankung und nach Impfung)
  • Beteiligung an Qualitätssicherungsmaßnahmen
  • Durchführung von Studien zur Epidemiologie von Bordetella spp.

  • Durchführung von Laboruntersuchungen
    • Kultureller Nachweis von Bordetella pertussis, Bordetella parapertussis sowie weiteren Bordetella spp. aus klinischen Proben
    • Molekularbiologische Typisierung von Bordetella spp. mittels Genom-Sequenzierung
    • Molekularer Direktnachweis von Bordetella spp. aus Patient*innenmaterialien mittels RT PCR
    • Durchführung von serologischen Untersuchungen (Anti-Pertussistoxin-IgG und -IgA)

Aktuelle Herausforderungen

  • Es ist notwendig die Routinediagnostik im ambulanten und stationären Bereich sowohl durch eine erhöhte Sensibilisierung der behandelnden Ärzt*innen als auch durch einen verbesserten Nachweis des Keuchhustenerregers und anderer Bordetella-Spezies weiter zu verbessern.
  • Neben den PCR-Nachweisen ist die Isolierung der Bakterienstämme aus klinischen Materialien von großer Bedeutung, um rechtzeitig Veränderungen in der Pathogenität und Antibiotikaresistenz analysieren zu können und das mögliche Auftreten von Immune Escape-Mutanten zu erkennen.

Durch eine optimierte Diagnostik kann eine adäquate Therapie schneller eingeleitet und können Infektionsketten unterbrochen werden. Sie ist auch Grundlage für eine verbesserte epidemiologische Surveillance, durch die u.a. Präventivmaßnahmen wie z.B. die aktuell empfohlenen Impfungen gegen Keuchhusten bewertet werden.

Bordetella

Hinweise für die Labordiagnostik bei Verdacht auf Keuchhusten

Für den direkten Erregernachweis ist vor allem der nasopharyngeale Abstrich geeignet. Bei anderen Materialien aus den oberen Atemwegen kann es aufgrund der niedrigeren Erregerlast zu falsch-negativen Ergebnissen kommen.

Weitere Informationen finden Sie im Ratgeber des RKI
Bordetella

Versand von Patient*innenproben und Kulturisolaten

Bitte fügen Sie allen Untersuchungsmaterialien (Bordetella spp.-Kulturen, Seren und Atemwegsmaterialien von Patient*innen) einen vollständig ausgefüllten Anforderungsschein bei.

Der Transport aller Materialien erfolgt bei Raumtemperatur. Bitte beachten Sie, dass klinische Proben sowie Bakterienkulturen ein „Biologischer Stoff, Kategorie B“ (UN 3373) sind. Die entsprechende Verpackungsanweisung P650 (IATA) muss beachtet werden.

Begleitschein für die Einsendung